Montag, 22. Juli 2013

Es ist vorbei...

Viele Dinge im Leben sind sehr schwer einzuschätzen, solange sie noch aktuell sind. Der Alltag bringt Gewöhnung mit sich, und durch Gewöhnung neigt man dazu, Dinge auszublenden und als normal anzusehen, obwohl sie das bei genauerer Betrachtung nicht sind. Jetzt, wo ich wieder in Deutschland bin, kann ich anfangen, auf das Jahr zurückzublicken, welches ich absolviert habe.

Bevor ich aber zu generell werde,will ich erstmal berichten, was denn im letzten halben Jahr noch so passiert ist.
Zunächst war da ein großartiger Urlaub in Kambodscha, wo ich mit einem ehemaligen Schulkameraden war, der zufällig in Südostasien verweilt. Dieses Land ist eines der ärmsten der Welt, wovon man aber in den Touristenorten (Pnomh Penh und Siam Reap) wenig merkt, wenn man denn nicht zu weit von den Hostels wegkommt.

Ein Markt in Phnom Penh

Die berühmten Tempelanlagen von Angkor Wat
Die Rückkehr nach Malaysia war unerfreulich. Ich erfuhr, dass meine verantwortliche Ansprechpartnerin von AFS Penang über mich verbreitete, ich sei unmotiviert und würde schlecht arbeiten. Sie hatte mich ja von Anfang an auf dem Kieker, da sie wohl mein etwas zu junges Aussehen störte... Aber das war nun wirklich völlig daneben, da ich ja immerhin als Freiwilliger 8h-Schichten schob und oft auch am Wochenende oder nach der Arbeitszeit für irgendwelche Veranstaltungen "rekrutiert" wurde. Dies ist recht schwer zu vermeiden, wenn man in einem Behindertenheim wohnt und im Endeffekt immer auf Abruf ist. Später stellte sich heraus, das genau dort das Problem lag - einige Heimverantwortliche hatte es irritiert, dass ich es mir herausgenommen hatte, ausnahmsweise einen der beiden Wochendendtage freizunehmen, sodass sie meine gesamte Arbeit diskreditierten. Diese Darstellung veränderte viel von meiner Wahrnehmung über das Heim, AFS und meine Freiwilligenzeit und ist auch ein Grund, warum ich momentan recht froh bin, wieder in Deutschland zu sein. Aber ich möchte hier auch nicht allzu pessimistisch werden - schließlich hatte die ganze Geschichte ja nicht viel mit meiner eigentlichen Arbeit und meiner sonstigen Zeit in Malaysia zu tun.

Mein Tätigkeitsfeld im Heim blieb großteils gleich. Ich intensivierte die English Class und traute mich neben sachbezogenen Stunden auch an Themen wie grammatikalische Korrektheit und einfache Rechenaufgaben heran. Eine Neuerung war meine Aktivität im Computerraum. Ich bemerkte, dass, auch durch Max Computerunterricht, zwar mehr Residents in der Lage waren, mit Computern umzugehen, aber der Bedarf mit nur drei Geräten nicht gedeckt war. Deswegen reparierte und installierte ich zwei gespendete und zunächst unbenutzbare Rechner, sodass nun fünf Arbeitsplätze einsatzbereit sind und auf facebook-wütige Benutzer warten.

Aus alt mach neu...


Daneben erledigte ich eine Menge kleinerer Tätigkeiten wie den Entwurf von Parkverbotsschildern, die Reparatur von Rollstühlen oder Aufräumarbeiten. Ein weiters großes Beschäftigungsfeld war das "Annual Magazine" des Heims, also ein Art Jahreszeitschrift. An dieser arbeitete ich ein halbes Jahr lang, nahm Fotos von Heimvertretern auf, gestaltete das Layout, schrieb Texte - aber es wurde nie fertig, weil sich immer irgendjemand fand, der hier und da noch ein paar Seiten hinzufügen wollte, um ja nicht unterrepräsentiert zu sein. Eine etwas demotivierende Arbeit.

Zusammen mit meinem neuen Arbeitskollegen Max, ebenfalls aus Deutschland, nahm ich an einem Ausflug mit den Pfadfindern teil. Während der 3-tägien Exkursion besuchten wir mit den Residents ein Wassersportzentrum, eine Schmetterlingsfarm sowie den höchsten Punkt von Penang, den sogenannten "Penang Hill".

Fredrick und Yogaraj

In der Schmetterlingsfarm

Soviel zu den erwähnenswerten Facetten meiner Arbeit. Generell war es oft anstrengend, aber ich hatte fast immer das Gefühl, etwas sinnvolles tun zu dürfen. Und genau das, sowie der Umgang mit den Behinderten, von denen ich einige sehr ins Herz geschlossen haben, lässt und ließ mich über bestimmte andere Dinge dieses Jahr hinwegsehen.

Einen würdigen Abschluss fand das Jahr schließlich, als ich zusammen mit Jan und Steffen, zwei anderen Freiwilligen, ein Wochenende bei einem Freund aus Kuala Lumpur verbrachte. Auch ein Bungee-Sprung gehörte dazu...


Nun ist es soweit, und ich muss ein Fazit ziehen.
Zunächst: Ich bereue es überhaupt nicht, für ein Jahr nach Malaysia gegangen zu sein. Ich habe eine Menge gelernt und lauter interessante Sachen erlebt. Vor allem hier in Deutschland merkt man erst, dass man sich doch teilweise verändert hat; ich bin gelassener und offener geworden. Auch habe ich viel über Toleranz und die Meinungshorizonte der Menschen gelernt und bin sehr froh, diese Erfahrung gemacht zu haben.
In keinster Weise bin ich übereuphorisch, noch war das Jahr ein ständiger Freudentanz. Ich habe auch viel erlebt, was mich traurig gemacht hat und Zeitpunkte erlebt, in denen ich nur noch nach Hause wollte, um bestimmten Situationen und Menschen aus dem Weg zu gehen. Aber ich denke dass in allem, was ich erlebt habe, etwas enthalten war, was mich geprägt hat. Ganz gleich, ob es eine positive oder eine negative Erfahrung war.

Malaysia 2012-2013 war ein außergewöhnliches Jahr meines Lebens. Es hatte Höhen und Tiefen, aber ich bin froh die Chance bekommen zu haben. Und ich bin stolz, dass ich es gepackt habe. 

Ich bedanke mich bei allen, die dieses Jahr möglich gemacht haben!

Moritz


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen