Samstag, 22. Dezember 2012


Hallo liebe Menschen,...

Dieser Blogeintrag ist, gelinde gesagt, ein Meilenstein. Nicht etwa, weil jetzt ein rhethorisches Feuerwerk folgen würde, gespickt mit spannenden und faszinierenden Erlebnissen, ein umfassendes Spiegelbild der Realität darstellend und versehen mit druckreifen Bildern. Also, zumindest nicht in erster Linie. Hehe.

Nein, dieser Text ist das Produkt eines lange herausgezögerten Schrittes. Die Zusammenfassung meines Alltags für andere Menschen.
Ich gebe ja zu, die Erwartungen habe ich selbst zu hoch geschürt, nachdem ich direkt nach Ankunft in Kuala Lumpur (vor etwa fünf Monaten) einen Roman hochgeladen habe. Ach, was war das doch einfach damals. Wie Urlaub. Erlebnisse des Tages zusammenfassen, ein bisschen Emotion rein, hochladen, fertig ist der Blogeintrag. Diese Summenformel aber geht bei langen Prozessen nicht auf; bei Vorgängen, die sich erst entwickeln, die noch kein Fazit erlauben und bei denen man Gefahr läuft, sie unvollständig und verfälscht widerzugeben, so man noch keinen Überblick über sie hat. Das sind dann so Dinge wie meine Arbeit, mein Wohnort oder die Mentalitäten der Menschen. Sowas wie: "Die Arbeit ist ganz gut, hier gibts sogar nen Strand und die Leute sind suuuuuupifreundlich", wie es ja hier oder da zu lesen steht, wollte ich euch Lesern ersparen. Dann lieber Sendepause, bis was vernünftiges da ist.

Um nun, fast ein halbes Jahr nach meiner Ankunft, einen Einstieg zu finden, hab isch mir wat janz besondres ausjedacht. Chronologie war einmal (was für ein Satz), wir beginnen Querschnittsmäßig mit dem JETZT.


Gerade sitze ich vor meinem Computer, hin und wieder klackern die Tasten. Man hört das konstante brummen des Deckenventilators in meiner kleinen Wohnung, die seit wenigen Tagen tatsächlich nur noch mich beherbergt, nachdem mein bisheriger Mitbewohner und -arbeiter nach Deutschland zurückgekehrt ist. Die Klimanalage habe ich nicht angeschaltet, Temperaturen unterhalb der magischen 28° Grenze lassen mich frieren. Ein schönes großes Zimmer mit Fliesenboden bewohne ich, ein Bad mit echtem WC und warmer Dusche gehört dazu, was ich als großen Luxus empfinde. Das 8-teilige Milchglasfenster direkt vor mir gibt den Blick frei auf eine mit Glasscherben gespickte Mauer. Dahinter erahnt man die Straße, die Lebuhraya Babington. "Lebuhraya" heißt eigentlich "Highway", also Schnellstraße, aber das trifft auf unsere kaum fünf Meter breite und 200 Meter lange Sackgasse eher weniger zu. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite sieht man große Häuser; das, und die Tatsache, dass es überall grünt,  deutet daraufhin, dass wir uns an einem wohlhabenden Ort befinden. 


Besagter Blick
Genug dazu. Verließe ich nun mein Zimmer und ginge die Treppe ins Erdgeschoss hinunter, wäre ich sofort bei meiner Arbeit. Im doppelten Wortsinne, denn der Ort an sich ist meine Arbeitsstelle, aber auch durch den Kontakt mit den Behinderten, der andauernd erfolgt, wäre ich sofort im arbeiten begriffen. Ein paar Beispiele für Dinge dich tun würde, ginge ich jetzt hinunter. (Nach Feierabend!)

- Im  Computerraum zwei "Residents" (Bewohner) beim facebooken zuschaun und helfen
- Auf dem Weg in die Küche sicherlich 10-15 High-Fives an Residents verteilen
- Später amateurhafte indische Serien zusammen mit den Behinderten im TV ansehen
-...

Man sieht, das Behindertenheim "Penang Cheshire Home" ist nicht nur meine Arbeitsstelle, sondern auch mein Umfeld. Ich wohne, esse und LEBE hier.  Auf der einen Seite ist es sehr positiv, dass ich hier wohne, da ich mich zu 100% mit dem Heim identifiziere, aber es gibt auch Nachteile. Der größte ist sicherlich, dass man kaum Kontakte außerhalb der Arbeit findet, anders als in einer Gastfamilie. Aber gut. Dafür bin ich hier sehr frei...

Man mag sich jetzt fragen, was so ein 18-jähriger Jungspund eigentlich in so einem Heim machen kann; was für Arbeit er verrichtet und ob er überhaupt bei etwas hilft. Nun, da gibt es eine ganze Menge. Angefangen von Englisch / Musikunterricht über Aerobicübungen, Mithilfe in unsere Behindertenwerkstatt,Verkauf dieser Produkte, Reparaturarbeiten, Malerarbeiten usw. bis zu Begleitung der Behinderten zu "Functions", meistens Einladungen zum Essen -  man sieht, es ist ein großes Tätigkeitsfeld abgedeckt. Unten ein paar Impressionen und ein Video, welches mich und drei Behinderte bei einer selbst erdachten Performance mit dem Namen "I AM ABLE" am jährlichen Spendentag zeigt.
Music class...

Mit den Residents sozialisieren; für sie da sein...

Straßenmarkierungen malen...


Leider hat sich meine billige Gitarre während des spielens etwas verstimmt...

Ich habe eindeutig nicht zu wenig zu tun. Meine Arbeitszeiten sind auch recht streng geregelt; Urlaub muss ich immer beantragen, da das Heim nie seine Pforten schließt, und bei 20 Urlaubstagen im Jahr muss man da natürlich sehr genau wählen. Das erhoffte herumreisen in Südostasien, was gerade jetzt die Beschäftigung der anderen Freiwilligen ist, wird dadurch natürlich nur sehr eingeschränkt möglich. Trotz alledem bin ich bis jetzt zufrieden. Ich kann sinnvoll arbeiten, bekomme Verantwortung und Vertrauen, in vielen Dingen in ich frei und kann kreativ sein (so gestalte ich jetzt das Jahrbuch des Heims) und die Behindertenarbeit wird zur Routine. Was will man mehr?

Trotzdem muss ich natürlich auch mal aus der Arbeit rauskommen können. Wie schon gesagt, in Penang habe ich kaum Kontakte zu lokalen jungen Menschen, weswegen ich mich hauptsächlich mit den anderen beiden deutschen Freiwilligen treffe, wenn Wochenende ist. Oft gehe ich auch alleine los und sehe mir die Stadt an; probiere etwas neues zu essen oder gehe etwas einkaufen. Etwas ganz anderes hingegen habe ich erlebt, als ich über das indische Fest "Deepavali" in der Stadt Ipoh in einer Gastfamilie untergebracht war. Endlich konnte ich die Kultur und lokale Menschen kennenlernen! Eine wunderbare Erfahrung, zumal ich noch immer Kontakt zu einigen Leuten dort habe. Weihnachten werde ich dieses Jahr beispielsweise bei einer Familie in Kuala Lumpur verbringen, die ich in dieser einen Wochen kennengelernt habe.

Meine indische Gastfamilie in Ipoh
Was sollte man sonst noch berichten? Generell finde ich es hier hochinteressant, wie die drei Kulturen (Malaiien, Inder und Chinesen), die in Penang sogar mehr oder weniger zahlenmäßig gleichmäßig verteilt sind, miteinander auskommen und sich als gebürtige Malaysier sehen sowie sich doch oft mit ihrem Land identifizieren. Natürlich gibt es Benachteiligungen von bestimmten Gruppen gegenüber den anderen, besonders auch ausgehend von dem muslimischen Teil der Bevölkerung, aber trotzdem ist ein friedliches Zusammenleben nicht abstreitbar und auch nicht mehr aus der malaysischen (!) Kultur wegzudenken. Wer Multikulti für gescheitert hält, der sollte mal Malaysia besuchen. Die einzelnen Kulturen bewahren ihre Sprachen, ihre Werte und grenzen sich auch ab; aber weil man in der Schule, in der Arbeit oder auch mal im Restaurant gezwungen ist, sich mit anderen Kulturen auseinanderzusetzen, gibt es einfach auch viele Gemeinsamkeiten, die neben den Unterschieden friedlich existieren. Einen teh tarik (Tee) bekommt man in jedem Restaurant, und mit bahasa melayu oder Englisch kommt man immer durch, egal ob das Gegenüber als Muttersprache nun Tamil, Hokien oder Panjab spricht. An und für sich eine schöne Sache. Die Integrationsdebatte in Deutschland kommt mir immer mehr und mehr lächerlich vor, weil dort Minderheiten als Problem angesehen werden...


An dieser Stelle beende ich diesen Blogeintrag und bedanke mich fürs Lesen. Anbei einfach ein paar unkommentierte Impressionen aus meinem Alltag...
(durch klicken vergrößern)













Donnerstag, 19. Juli 2012

Selamat Datang!

24 bedeutsame Stunden liegen hinter mir. Aufregende Stunden. Spannende Stunden. Und turbulente Stunden. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Es fing damit an, dass ich mein lang herausgezögertes Packen in relativ kurzer Zeit erledigen musste. Aber dennoch fand ich es spannend, mich auf ein überschaubares Besitztum zu reduzieren. Eine Vorstellung, die mich immer faszinierte. Bei dem ganzen Müll den man als Europäer so besitzt und eigentlich gar nicht braucht, tut es fast schon gut, etwas puristischer an die Sache heranzugehen. Na gut, es müssen ja nicht gleich 20 Kg als Obergrenze sein... Aber schließlich und endlich passte auch alles irgendwie in Koffer und Rucksack. Bis auf eines: Mein heiß geliebte Gitarre musste vorerst zuhause bleiben. :-(.


Mein Flug ging ab Berlin Tegel, wo ich mich auch von meinen Eltern und meinem Bruder Thomas verabschiedete. Auf meinem Flugticket stand zu lesen:

LH 199 Tegel -> Frankfurt
LH 782 Frankfurt -> Bangkok -> Kuala Lumpur

Wunderbar also, Lufthansa. Dachte ich. Bis ich unsere in die Jahre gekommene 747-400 in Frankfurt betrat. Außen natürlich Jumbotypisch hui...


...aber innen eher pfui. Kaum Beinfreiheit, kein Unterhaltungsystem und harte Sitze. Ich meine, ich bin ja jetzt echt nicht der Komfortfreak; aber selbst ohne interkontinentale Flugerfahrung war mir sofort klar, dass dieser 14h-Flug ein eher unangenehmer werden würde. Da meine wahrsagerischen Fähigkeiten in diesem Punkt äußerst zutrafen, muss ich wahrscheinlich nicht auf Einzelheiten eingehen. :-) Eins bleibt zu sagen: Ich war totmüde und hungrig, aber außerstande, diesen Zustand zu ändern.
Andererseits ist es schon erstaunlich, wie schnell man so um die Welt kommt. Und dafür, dass man an einem Tag mehrere tausend Kilometer mit einem Tempo von 900 km/h zurücklegt, ist der Reiseluxus eigentlich surreal gut. Außerdem sind wir Freiwillige, keine Touristen. Von daher, alles halb so wild! Und der turbulente Himmel, der über Südostasien vorherrschte, hat mir, dem alten Flugzeugfan, viel Freude gemacht.

Nach einer Zwischenlandung am fast menschenleeren Flughafen Bangkok,


wo wir das Flugzeug verlassen und schließlich wieder boarden mussten (mit Security Check und allem was dazugehört) hob das Flugzeug erneut ab, nun endlich in Richtung Kuala Lumpur.
Als die 747-400 auf der Landebahn aufsetzte, war natürlich die allgemeine Euphorie groß. Wie als wäre es ein gutes Omen, fand ich auch sofort meinen Koffer und die Passkontrolle verlief ohne Probleme (und Freundlichkeiten ;-) ). Andere hingegen aus unserer Gruppe wurden ausführlich befragt und mussten Beweise für ihre zukünftige Tätigkeit vorlegen. Nach einer halben Stunde waren dann aber auch alle da.

Farhan, eine AFS Malaysia-Freiwilliger, der schon an einem Schüleraustausch nach Hamburg mit AFS teilgenommen hat, holte uns vom Flughafen ab und verfrachtete uns in Taxis. Denn KL Airport ist gut 50 Kilometer von der eigentlichen Metropole entfernt. Unser Ziel, das Hotel Mandarin, ist relativ nobel und das Essen, welches fünf mal am Tage gereicht wird, äußerst lecker.

Am Abend dann gingen wir in der Gruppe auf eine kleine Runde in die City der Millionenmetropole, die ganz und gar aus Hochhäusern zu bestehen scheint. Dabei entstand ein Gruppenfoto vor den Petronas Towers, welches ich nicht vorenthalten möchte.


Oben (v.r.n.l.) Moritz, Hannah, Inga, Lea, Suse, Felix, Paula
Unten (v.r.n.l.) Josh, Jan, Steffen

Zu den gefühlsmäßigen Eindrücken, die in meinem eher touristischen Bericht bisher fehlen: Ich bin noch dabei, mich selbst derselben zu vergewissern. Die Gruppe ist weiterhin genial und ich verstehe mich super mit allen. Malaysia hielt bisher noch keine negativen Überraschungen bereit und Kuala Lumpur gefällt mir sehr, da man das Gefühl hat, sich in einem Zentrum der Welt zu befinden. Aber dennoch beschleicht mich momentan das Gefühl, dass ich noch gar nicht "richtig" angekommen bin; bis ich realisiere, dass ich in Malaysia bin, kann noch Zeit vergehen. Jetzt erstmal den ersten Eindruck genießen und noch ein bisschen Tourist sein, bis dann der Ernst des Lebens losgeht.

Malaysia jedenfalls mich mit einem "Selamat Datang" (Herzlich Willkommen) empfangen!

Freitag, 13. Juli 2012

Projekt

Hallo liebe Blogleser,

es ist viel passiert seit meinem letzten Eintrag. Am vielleicht allerwichtigsten: Ich habe nun eine endgültige Projektzusage bekommen.

Die nächsten 11 Monate werde ich also im "Penang Cheshire Home" auf der chinesisch dominierten Insel Penang arbeiten.

 

Größere Kartenansicht
Bei benannter Einrichtung handelt es sich um ein Zentrum für körperlich behinderte Menschen; sowohl Pflege/Wohneinrichtungen als auch eine Werkstatt sowie eine kleine Klinik gehören zum Projekt. http://www.penangcheshirehome.org/   
Da ich noch keine Erfahrung mit der Arbeit mit behinderten Menschen habe, war ich anfangs etwas verunsichert. Ich freute mich über die Projektzusage im sozialen Bereich (da ich keine Bereicherung darin sähe, für ein Umwelt - oder Tierprojekt zu arbeiten) und es beruhigte mich, dass zwei weitere Freiwillige im Projekt nebenan arbeiten, aber natürlich war das Arbeitsfeld unerwartet. Zum Glück habe ich mittlerweile Kontakt zu einem deutschen Freiwilligen, der schon jetzt im Penang Cheshire Home tätig ist und mit dem ich das erste halbe Jahr in einer WG direkt auf dem Projektgrundstück wohnen werde. Er hat mir bereits einiges über die Arbeit im Projekt und die Umgebung erzählt, sowie mich in Fragen Gastgeschenke beraten :-) . 
Manche werden sich jetzt fragen: WG? Moment mal, er hat doch immer was von einer Gastfamilie erzählt! Stimmt genau. Am Anfang sah es tatsächlich so aus, als wäre die Unterkunft in einer Gastfamilie in der Mehrzahl der Fälle zutreffend. Umso erstaunter war ich, als sich herausstellte, dass ich im Projekt wohnen würde. Das hat Vor -und Nachteile. Schlecht: Man hat anfangs weniger Bezugspersonen, der Kontakt zu Einheimischen wird erschwert, die Erlernung der Sprache(n) ebenso. Gut: Größere Freiheiten und Möglichkeit der selbstständigen Zeitplanung. Abschließend bin ich in Ermangelung von Totschlagargumenten für eine jeweilige Seite zu der Erkenntnis gekommen: 
Mach einfach das beste draus! 
Diesen Ausspruch ernenne ich zu meinem Jahresmotto - für Projekt, Kollegen, Freunde, Stadt, Flug, Konflikte, ... Ich habe es in der Hand. Man muss die gegebenen Grenzen akzeptieren und versuchen, sich innerhalb dieser möglichst frei zu bewegen - mit einer positiven Lebenseinstellung. Mein Ziel.

Sonntag, 10. Juni 2012

1. Zwischenstand

Langsam wird es auch in Deutschland wieder warm, und fast, als wäre der Temperaturanstieg ein Wegweiser auf die Zukunft, so rückt auch meine Abreise nach Malaysia immer näher. Mitte Juli soll es los gehen. Und bis dahin ist noch so manches zu tun.

Da wäre zunächst mein endlich fertig geplantes Impfprogramm und am morgigen Tag vollendetes Impfprogramm, welches mich gegen die Gefahren der Halbinseln wappnen soll. Gegen Typhus, Japanische Enzyphalitis und Tollwut sowie Cholera muss man sich prophylaktisch immunisieren lassen, was sich durch mehrere Impfungen erledigen lässt. So benötige ich für eine Tollwutabwehr 3 Impfungen in einem streng festgelegten Zeitrahmen. Die normalen Unannehmlichkeiten, die eine Impfung mit sich bringt, nämlich die verwendete Zeit und die 2-3 Tage anhaltenden leichten Schmerzen im Muskel, werden sofort relativiert durch einen Blick in die Symptomatik der zu immunisiernden Krankheit - wirklich, da ist man froh, sich impfen lassen zu können. :-)

Eine Frage, die ich immer häufiger gestellt bekomme und welche mich auch immer in Anbetracht der baldigen Abreise beunruhigt, ist, was ich denn nun eigentlich in Malaysia für eine soziale Tätigkeit ausüben werde.

Wie gerne ich es erstmal selber wüsste.


Ja, in der Tat. Keine 6 Wochen mehr bis zum Abflug von Berlin Tegel, und noch immer habe ich kein Projekt zugewiesen bekommen. Geschweige denn eine Gastfamilie. AFS Malaysia ist leider immer noch im Prozess der Koordinierung und Planung.
Das bringt Probleme mit sich. Zunächst belastet es mich persönlich, weil ich mich nicht wirklich auf das Kommende einstellen kann. Zwar wurde die Möglichkeit einer sehr kurzfristigen Zuteilung auch auf dem Auswahlseminar betont, aber natürlich wäre es mir sehr viel lieber, schon jetzt bescheid zu wissen. Besser ein verpflichtendes Projekt vor Augen, was einem nicht 100% gefällt, als die Ungewissheit. Aber gut, man kann es auch als Test und als Training von Spontanität und dem Umgang mit Unerwartetem nehmen; Fertigkeiten, die ich sicherlich in Malaysia brauchen werde.
Ein weiteres Problem ist, dass sich aus dem Fehlen endgültiger Information ergibt, ist, dass ich nicht wirklich offen auf mögliche Unterstützer zugehen kann, um meinen Spenderkreis zu vervollständigen, da ich kein konkretes Projekt vorweisen kann. Ich finde, ein Spender sollte genau wissen, was er unterstützt. In diesem Sinne nochmal vielen Dank an meine bisherigen Spender, die in diesem Punkt vertrauen schenken und zumindest diese Seite des Problems teilweise beheben!


Was ist noch zu tun? Von AFS habe ich ein nettes Dokument bekommen, in welchem die Grundzüge der malaiischen Sprache vorgestellt werden. Klar, bis 10 zählen und ja und nein sagen sowie nach Essen verlangen können - das wär schon nicht schlecht. Zwar ist "bahasa melayu" ein relativ leicht zu erlernende Sprache mit vergleichsweise simpler Grammatik, aber wie gesagt. Eine gewisse Vorbildung kann nicht schaden. Ich habe mir vorgenommen, jeden Tag ein paar Vokabeln zu lernen. "Saya belajar bahasa melayu". Und mein guter Freund Felix, der in Indonesien war, hilft mir gerne weiter, da sich Indonesisch und Malaiisch fast aufs Haar gleichen. :-)

Nun denn, das war es zunächst mit zu erledigenden Dingen. Ich hoffe, mich bald mit einem endgültigen Projekt zurückmelden zu können.

Bis dann!








Dienstag, 21. Februar 2012

Ein paar Fakten über Malaysia...




Malaysia besteht aus zwei durch das südchinesische Meer getrennten Teilen. Der östliche Teil befindet sich auf der malaiischen Halbinsel, der westliche Teil findet sich auf der Insel Borneo. Der Westteil, an Thailand und den Stadtstaat Singapur grenzend, beherbergt neben der Hauptstadt Kuala Lumpur einen Großteil der rund 28 Millionen Einwohner. Das Land ist bergig und besitzt große Regenwaldsysteme. Mit 4.095 m der höchste Punkt des Landes ist der Berg "Kinabalu" auf Borneo.

© T0lk, http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mount_Kota_Kinabalu.JPG

Die Hauptstadt Kuala Lumpur ist eine Millionenmetropole und stellt das witschaftliche, kulturelle und ökonomische Zentrum des Landes dar. Weltbekannt sind die "Petronas Tower", die höchsten Zwillingstürme der Welt.
Obwohl Malaysia erst 1957 unabhängig wurde, ist das Land eines der wirtschaftlich stärksten Schwellenländer der Welt. Neben dem abnehmenden Wirtschaftszweig der billigen Massenproduktion haben sich Hightech-Zentren etabliert, so die Chip - und Luftfahrtindustrie. Malaysia ist zusammen mit Indonesien Weltmarktführer für den Export von Palmöl, aber besitzt auch große Vorräte an Erdöl. Durch die gute Wirtschaftssituation etablierte sich auch eine stabile Demokratie.
Allerdings kommt der Reichtum längst nicht bei allen Bevölkerungsschichten an, besonders der Unterschied zwischen Stadt und Land ist groß. Im Durchschnitt liegen die Löhne wesentlich niedriger als in den ähnlichen aufstrebenden Ländern der Region wie Taiwan, Singapur oder Hong Kong.
Malaysia ist ein sehr multikulturelles Land, wobei 50 % der Einwohner gebürtige Malaien und 24 % Chinesen sind. Der restliche Anteil wird von indigenen Völkern und Indern, aber auch anderen Nationalitäten repräsentiert. Die Amtssprache ist Behasa Melayu, also Malaiisch. Aufgrund der langen englischen Kolonialzeit sprechen viele Einwohner Englisch als Zweitsprache.
Staatsreligion ist der Islam, dem 60 % der Bevölkerung zugehörig sind, wobei ethnische Malaien rechtlich von Geburt an diesem Glauben verpflichtet werden. Für die restlichen Bevölkerungsschichten besteht relativ uneingeschränkte Religionsfreiheit, wobei hier Buddhismus, Hinduismus und das Christentum die häufigsten Religionen sind.

Montag, 20. Februar 2012

Wie kommt man zu einem sozialen Jahr?

Der Gedanke, nach dem Abitur nicht gleich mit einem Studium zu beginnen sondern sich vorher noch zu orientieren lässt sich rückblickend auf das Ende der 10. Klasse lokalisieren. Viele Mitschüler nutzten nach dem Ende der Mittelstufe die Möglichkeit, ein Jahr lang in einem anderen Land zu leben und dort zur Schule zu gehen. Eine Großteil wählte dazu Länder wie die USA, Australien oder Frankreich, in denen die Umstellung nicht allzu groß ist und man die Sprache meist schon in ihren Grundzügen beherrscht, aber besonders beeindruckt war ich von dem Plan eines engen Freundes, 12 Monate nach Indonesien zu gehen; ein Land, welches in direkter Nachbarschaft zu Malaysia liegt und bei weitem nicht über einen so hohen Entwicklungsstand verfügt wie ein Industrieland. Anfangs noch sehr skeptisch, begeisterten mich die Erfahrungsberichte während und vor allem nach der Rückkehr. Fast schon wehmütig, eine so einmalige Chance vertan zu haben, stieß ich über das Internet und Angebote in meinem Pfadfinderstamm auf die Möglichkeit des sozialen Jahres nach dem Abitur. Das beste ist: Die Projektplätze, von unzähligen Organisationen zur Verfügung gestellt, sind durch verschiedene Bundesministerien unterstützt, erstens durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (http://www.weltwaerts.de/) und zweitens durch das Bundesfamilienministerium (http://www.internationaler-jugend-freiwilligendienst.de/ijfd/).
Im August 2011 begann ich mit der Suche nach einer geeigneten Organisation, bei der ich mich bewerben konnte. Schnell fiel mir "AFS" auf, da diese Organisation eine sehr große Anzahl an Ländern und Projekten anbot. Auch konnte man sich dort bewerben, ohne einen verbindlichen Länderwunsch angeben zu müssen, was mir zugute kam, da ich noch keine endgültigen Vorstellungen hatte, wohin ich denn gehen wollte. Die Bewerbung umfasste persönliche Daten, einen Lebenslauf und - sehr wichtig - eine Motivationsschreiben.
Einige Wochen später, in die Suche nach weiteren Projekten vertieft, erhielt ich die auf meine Bewerbung folgende Einladung zu einem Auswahl-und Informationswochende von AFS in Rotenburg an der Fulda. Die erste Hürde war also genommen.


Voller Erwartungen also machte ich mich auf nach Rotenburg in die dortige Jugendherberge, in welcher das Auswahlseminar stattfand. Einige bleibende Eindrücke: Unglaublich offene und nette Leute, die trotz der eindeutig bestehenden Konkurrenz in kürzester Zeit zu einer vertrauten Gruppe zusammenwuchsen; Viele Informationen zu Projekten und Ländern; Gehörige Anspannung bei den Einzelinterviews; Interessante Diskussionsrunden. Ich persönlich hatte bezüglich der Auswahl nach dem Wochenende kein gutes Gefühl, da es mir etwas schwer fiel, mich sofort voll zu öffnen und meine anfängliche Schüchternheit schon in den ersten Stunden zu überwinden. So überraschte es mich nicht, dass ich zunächst nur einen Nachrückerplatz für das Programm IJFD bekam. Als dann aber einen Tag vor meiner praktischen Fahrprüfung :-) plötzlich doch die Zusage für das Land Malaysia stand, war die Freude umso größer. Immerhin war Malaysia mein Wunschland gewesen; ich hatte durch das Anfertigen einer Raumanalyse in Geografie über das Land und seine Bevölkerung ein gutes Vorwissen. Besonders fasziniert mich an Malaysia die multikulturelle Gesellschaft, dazu aber später mehr.
Zunächst war eine Umfangreiche Bewerbung zu vervollständigen, um die Auswahl eines Projektes zu erleichtern. Dies wird auch der nächste Schritt sein - das Warten auf eine Projektzusage. Natürlich werde ich Neuigkeiten diesbezüglich baldmöglichst veröffentlichen. Richtig geraten, auf diesem Blog. Schaut vorbei...

Ein soziales Jahr in Südostasien


Manchmal wirkt es doch etwas unwirklich. Nach fast 18 Jahren in wohlgeordneten Schulverhältnissen steht für mich ein denkbar unsanfter Sprung ins Erwachsenenleben bevor - ein soziales Jahr in Malaysia. Elf Monate lang werde ich bei einem Projekt helfen und das Leben in Malaysia kennen lernen. Und gerade weil es so anders wird als alles, was ich bisher erlebt habe, überwiegt bei mir die Vorfreude über den Ungewissheiten. Die Möglichkeit, tatsächlich zu helfen und sich persönlich weiterzuentwickeln - beides bietet dieses Jahr.

In diesem Blog werde ich in regelmäßigen Abständen Neuigkeiten veröffentlichen; dies wird in Form von Erfahrungsberichten, Bildern und eventuell auch Videos geschehen. Ich hoffe, dass ich durch meine Beiträge Interesse für das Land und die Projekte wecken kann. Auch hoffe ich, den ein oder anderen jüngeren Leser zum Absolvieren eines sozialen Jahres motivieren zu können.

Schaut regelmäßig vorbei unter














Moritz B.